Warum sind Audits eine so sensible Sache?

Warum sind Audits eine so sensible Sache? 150 150 DI Harald Staska

Man kann ja zu Audits stehen wie man will; die Bandbreite der dabei aufkommenden Emotionen und Gedanken reicht wahrscheinlich von Angst, empfundener Kontrolle bzw. Einmischung in interne Angelegenheiten bis hin zu Sanktionen oder gar Verhör.

Der nachfolgende Beitrag zitiert auszugsweise einen Blog-Artikel von Claudia Nauta (DGQ Blog, 26|05). Darin wird metaphorisch und in sehr amüsanter Weise, aber dennoch nicht aus der Luft gegriffen, das aktuelle Image von Audits plakativ darstellt. Vermutlich spricht dieser Artikel so manchen – durch negative Erfahrungen sensibilisierten Auditierten – aus der Seele… oder auch nicht?

Quelle: DGQ Blog, 26|05

Warum ein Audit eine gute aber eben auch sensible Sache ist, können Sie anhand einer alltäglichen Tätigkeit in Ihrem Zuhause ganz einfach nachvollziehen:

Sie laden freiwillig Ihren Nachbarn zu einer einstündigen Auditierung Ihrer Putzqualität zu sich nach Hause ein. Es beginnt damit, dass Sie Auskunft geben, welches Putzniveau Ihrer Meinung nach für den festgelegten Putzbereich (nehmen wir mal an, Ihr Haus) angemessen ist und welche Putztätigkeiten Sie dafür als notwendig erachten. Erläutern Sie Ihrem Nachbarn, wer in Ihrem Haushalt welche Putzpflichten übernimmt bzw. kontrolliert und ob diese Personen für das Audit zur Verfügung stehen. Sind Lebenspartner oder Kinder beteiligt, sollten Sie diese vorab gut einweisen und angemessene Belohnungen versprechen.

Nun können Begehung und Befragungen starten. Ihrem Nachbarn fallen bei der gründlichen Recherche und den Interviews mit den Hausbewohnern folgende Dinge auf:

  • Ihre Argumente, warum das versperrte Kinderzimmer und die direkt angeschlossene Garage nicht zum Putzbereich gehören, sind sehr schwach.
  • Es liegen noch einige Staubmäuse (für Österreicher: Lurche) unter dem Schlafzimmerschrank. Das muss der verantwortlichen staubsaugenden Person entgangen sein. Ihr Nachbar macht ein Foto fürs Protokoll.
  • Spinnweben an den Decken und besonders im Treppenhaus werden von Ihnen erstmalig registriert. Er macht noch ein Foto.
  • Die Bücherregale sind sehr verstaubt. Es findet sich trotz intensiver Nachfrage niemand, der für die Entstaubung dieser gemeinsam genutzten Zone verantwortlich ist.
  • Das Parkett im Wohnzimmer ist spiegelglatt. Hier wurde wohl über das Ziel hinausgeschossen. Vor dieser Gefahrenzone wird nicht gewarnt.
  • Etliche Reinigungsmittel zeigen Gefahrstoffzeichen auf und stehen in der Küchenzeile Tür an Tür mit Lebensmitteln. Ein Risikobewusstsein kann Ihr Nachbar nicht feststellen.
  • Einige Fensterscheiben weisen üble Kratzer auf. Ihr Nachbar vermutet als Ursache nicht fachgerechtes Putzen. Sie diskutieren eine Weile, ob es am falschen Putzgerät oder der fehlenden Kompetenz des beauftragten externen Fensterputzers liegen könnte. Sie weisen aber jegliche Verantwortung für die Kratzer von sich.

Ihr Nachbar fasst am Ende für Sie und die weiteren Hausbewohner noch einmal alle Feststellungen zusammen. Natürlich lobt er auch die praktische Aufhängung von Besen und Wischer sowie die hohe Putzmotivation der erwachsenen Hausbewohner. Ceranfeld und Spülbereich glänzten ganz außergewöhnlich und auch für die regelmäßige Müllentleerung konnte die Eignung der Putzprozesse angenommen werden. Ihr Nachbar verspricht Ihnen einen ausführlichen Bericht in der nächsten Woche und stellt das angestrebte Putzzertifikat in Aussicht.

Sie atmen auf.

Quelle: DGQ Blog, 26|05
Zur Autorin:
Claudia Nauta verantwortet bei der DGQ die Trainings zu Umwelt-, Energie- und Arbeitsschutzmanagementsystemen und weiteren Themen. Die Erfahrungen mit Managementsystemen aus unterschiedlichsten Branchen kombiniert sie mit erwachsenenpädagogischen Konzepten.

DI Harald Staska

DI Harald Staska

Gründer & Geschäftsleitung von STASKA consulting; Berater, Trainer und Auditor, Österreichischer Delegierter in den technischen Komitees ISO/TC 176/SC 2 (Anm.: ISO 9001) und ISO/TC 176/SC 3/WG 24 (Anm.: ISO/AWI 10009), Experte von Austrian Standards International und Stv. Vorsitzender im Komitee 129 "Qualitätsmanagementsysteme und Business-Excellence".

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1 Kommentar
  • Sehr praxisnahe Darstellung woraus eindeutig hervorgeht, das man sich im eigenen Bereich sehr „blind“ bewegt und deshalb ein externer Betrachter (Auditor) durchaus seine Berechtigung hat! 😉 LG

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